Maori
Die Kultur der Maori entdecken und zelebrieren
Es ist Waitangi Day, der Tag, an dem die Maori den entscheidenden Vertrag mit den Briten in Waitangi abschlossen, der das zukünftige Verhältnis zwischen Pakehas und Maoris bestimmen sollte. Bis heute ist dieser Tag ein wichtiger nationaler Feiertag, an dem Maoris ihre Kultur und Traditionen zur Schau stellen und, was entscheidend ist, Pakehas, also weiße Neuseeländer, daran teilhaben lassen. Auch Touristen und sonstige Schaulustige sind dazu eingeladen, authentische Maori Küche zu probieren, den mitreißenden Klängen ihrer Lieder zu lauschen und das Spektakel des Kriegstanzes mitzuverfolgen.
Unter anderem in Kawhia, an der Westküste im zentralen Teil der Nordinsel, wird jedes Jahr ein Festival zu diesem Anlass veranstaltet. Die regionale Tageszeitung Waikato Times widmete in diesem Jahr dem Fest an drei aufeinander folgenden Tagen eine volle Seite Berichterstattung, was dem ungeübten Leser ein riesiges Fest suggerieren mag, im Grunde aber lediglich die Bedeutung des Feiertages und der Veranstaltungen zu diesem Anlass unterstreicht – denn das „Kai Festival“ in Kawhia ist alles andere als riesig.
Tatsächlich konzentriert sich die gesamte Veranstaltung auf eine Rasenfläche, auf der zwei Bühnen aufgebaut sind und um die rundherum Essenstände aufgestellt sind. Dem häufigen europäischen Festival-Besucher wird dies womöglich auf den ersten Blick etwas enttäuschen, zumal in Kawhia Eintritt verlangt wird. Allerdings wird sich diese Enttäuschung schnell in Begeisterung umwandeln, wenn man sich einmal der Atmosphäre des Festes hingegeben hat.
Gut, die Musik, die die Band spielt, erinnert eher an Western-Country-Songs und ist daher eindeutig eher dem Pakeha-Teil der Veranstaltung zuzuordnen. Aber die Luft duftet wunderbar nach frisch gebackenem Brot, das nach alten Maori Rezepten vor den Augen der Zuschauer zubereitet wird, frittierten Meeresfrüchten, die von Männern mit traditionell tattowierten Gesichtern und freien, schweißgebadeten Oberkörpern auf flammensprühenden Pfannen gekocht werden, sowie geräuchertem Fleisch und Gemüse, das in hübschen geflochtenen Körbchen unter dem Namen „hangi“ verkauft wird und traditionell in einem Erdloch auf heißen Steinen zubereitet wird.
Vor allem letzteres sollte unbedingt probiert werden, aber auch die verschiedenen Eistees, die aus einheimischen Kräutern, Wurzeln und Früchten zubereitet werden, sind einen Versuch wert, sowie die erfrischenden halben Wassermelonen, die mit cremigem, auf der Zunge schmelzenden Eis serviert werden. Essen ist ein wichtiger Teil der Maori Kultur und steht auf dem Kai Festival („kai“ bedeutet „Essen“) natürlich im Mittelpunkt.
Nach dem Essen lohnt sich auch ein Blick in die kleine Galerie, die Maori Kunstwerke ausstellt, und wer mag kann den Frauen beim Flechten bunter Bastteppiche und –taschen zuschauen. Schnell wird man hierbei in ein Gespräch verwickelt und die Maori offenbaren ihre freundliche aufgeschlossene Art und zeigen sich überaus gerne bereit, Fremden ihre eigene Kultur und Traditionen näher zu bringen.
Spätestens wenn die maoristämmige Tanzgruppe der Frauen die Bühne betritt und in traditionellen Kostümen zu wohl klingenden Gesängen ihre Hüften schwingt und die Maori Schulklasse ihren Haka, den Kriegstanz der Maori, aufführt, ist man völlig von dieser Kultur hin- und mitgerissen und man lässt gerne einige Stunden auf dem kleinen Festplatz verstreichen, der zudem mit einer atemberaubenden Aussicht auf den Ozean glänzt, in dem die Kinder an heißen Tagen wie diesen vom gut zwei Meter hohen Steg springen und planschen. Nicht zuletzt kann Kawhia auch mit einem nur wenige hundert Meter entfernten traumhaften schwarzen Sandstrand punkten, der sich nach dem Fest hervorragend zu einem Badeausflug eignet (also Badesachen nicht vergessen und unbedingt auch an festes Schuhwerk denken, denn der schwarze Sand erhitzt sich in glühender Sonne sehr stark und kann schon mal für Blasen sorgen).
Somit wird das für europäischen Maßstab eher kleine Fest doch für jeden Besucher zu einem großen Ereignis, hat man hier doch die Gelegenheit abseits von allgemeinen Touristenattraktionen wie den Tanzaufführen in Rotorua, für die man gut und gerne das vier- bis zehnfache des Eintrittpreises des Kawhia-Festivals bezahlt, mit den neuseeländischen Ureinwohnern in Kontakt zu treten und deren Kultur verstehen und bewundern zu lernen.

Neuseeland
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